Der Beruf eines Pastors/einer Pastorin ist ein sehr anspruchsvoller: Es bleibt ja nicht beim Gottesdienst am Sonntag morgen, dazu kommen der Konfirmandenunterricht und die eigentliche Gemeindearbeit in Amtshandlungen, Seelsorge, Gruppen und Kreisen. Von der elendigen Verwaltungsarbeit und der Verantwortung für Gebäude und Liegenschaften will ich hier gar nicht sprechen. Ein freundliches, gewinnendes Wesen ist für einen Pastor genauso wichtig wie ein sicheres Sprachgefühl und theologische Fachkenntnis.

Ich bin mit Leidenschaft Pastorin – das habe ich in den zwei Jahren Abstinenz während meines Volontariats gemerkt. Was gibt es Größeres, als Menschen in Freud und Leid zu begleiten oder schöne, lebendige Gottesdienst zu gestalten? Es gibt keinen Beruf, der mehr kreative Freiheit und zugleich soviel großartige Traditionsgebundenheit hat wie unserer. Und es gibt nur wenige Jobs, in denen die soziale Komponente von so zweckfreier Wichtigkeit ist. Es ist ein herrlicher Beruf – wohl dem, der ihn ausüben darf.

Aber wie jeder Beruf hat auch dieser Schattenseiten. Ich bin mit einem Pastor verheiratet – und es erweist sich als ständiger Balanceakt, wenn wir beide im Gemeindedienst sind. Immer noch erwarten Gemeinden, dass der Seelsorger vor Ort wohnt und gleichzeitig auch die Stabilität und Integrität eines intakten Familienlebens vorweist. Das können wir nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten leisten.