Raaben-Netz

Mit all deinen Farben

Ich habe zwei Berufe. Nein, eigentlich sind es vier. Aber bleiben wir zum Anfang mal bei den Zweien: Ich bin Pastorin und ich bin Redakteurin. In beiden Disziplinen bin ich gut ausgebildet, ich mag beide Berufe und bewege mich in ihnen sicher.

Geschichten zum Leuchten bringen

Ist Öffentlichkeitsreferentin ein dritter Beruf? Nein. Er ist eine Kombination aus beidem. Ich diene meiner Kirche mit Wort und Bild. Das kann ich gut, das macht mir Spaß. Ich will zum Leuchten bringen, was da sonst still vor sich hinglimmt in irgendwelchen Bülls am Rande der Republik. Da schlägt mein Herz: bei den kleinen Leuten, bei der Oma, die seit 50 Jahren Gemeindebriefe austrägt, bei dem 400-Seelen-Dorf, das ein Gemeindefest auf die Beine stellt, bei dem Kirchengemeinderat, der sich im Ringen um seine Verantwortung schier selbst verzehrt.

I love to serve

Ich habe zwei Berufe. Und den dritten, der sich daraus ergibt, deute ich aus den anderen beiden. Ich verstehe Öffentlichkeitsarbeit als Dienstleistung, und ich liebe es zu dienen.

Aber Dienstleistung ist nur ein Teil der Anforderung. Man erwartet von mir, dass ich Themen setze, Kampagnen plane, Leuchtfeuer entzünde. Ich empfinde das als ungehörig. Die Kollegen in den Gemeinden reißen sich den Arsch auf, und Öffentlichkeitsarbeit auf höherer Ebene tut immer so, als ob “die da unten” nichts machen und nichts können. Als ob man denen mal erklären muss, wie es richtig geht. Dabei haben die Ortspastoren gar nicht die Kapazitäten, noch irgendwelchen Luftgespinsten des Kirchenkreises nachzuspinnen. Sie sind bei den Menschen, da gehören sie hin. An ihrer Seite sehe ich meinen Platz.

Mit all deinen Farben

Ich habe zwei Berufe, die ich gut kann. Daneben bin ich noch C-Musikerin, das ist ja auch was. Und ich habe mich feste eingearbeitet in Grafik- und Webdesign, auch da kann mir nicht jeder das Wasser reichen. Und trotzdem genügt es nie. Immer wieder projiziert irgendwer seinen eigenen Kindheitstraum nach Berühmtheit auf die Öffentlichkeitsarbeit. Dabei bist du so schön, Menschenkind, Christengemeinde, Kirchenkreis – so, wie du bist. Mit all deinen Farben und all deinen Narben….. So gerne erzähle ich von der Schönheit, die du längst in dir hast.