Raaben-Netz

Wunder

Wer mit Wunder immer noch das Wandeln über Wasser verbindet, ist ein armes Schwein. Jeder neue Tag ist ein Wunder. Unfassbar schön ist es, wie die Sonne sich über den Horizont schiebt. Und am Abend kehrt jedes normal-einfühlsame Herz zur antiken Weltvorstellung zurück: Die Sonne versinkt im Meer, das sieht man doch.

Ein neuer Tag beginnt

Es ist ein Wunder, wenn nach wochenlangen Dauerschmerzen der Körper endlich Ruhe gibt. Ich kann gar nicht so viel grinsen, wie ich fröhlich bin. Die Finger hüpfen wieder über die Saiten, die Kamera, sie wiegt in meiner Hand genauso viel wie sie wiegen soll und nicht fünf Kilo mehr. Die Freudensonne schiebt sich über den Horizont. Ein neuer Tag meines Lebens beginnt.

Das Internet gibt Wundern Raum

Das Wundermittel heißt Kortison, die etwas anstößig klingende Diagnose heißt Morbus Reiter. Das Wunder wurde möglich durch Social-Media: Ein Mediziner, der mich aus anderen Zusammenhängen kennt, las meinen Blog und bot seine Hilfe an. Erkannte, dass da etwas nicht stimmte. Hörte zu, dachte nach, gab nicht auf. Hielt mich fest.

Danke!

Ich habe viel gelernt in diesen dunklen Tagen. Bei den Freundschaften im Real-Live und im Netz schied sich die Spreu vom Weizen. Ich danke euch, die ihr mir nah wart und mir geglaubt habt. Ich danke Andreas, der mir viel abgenommen hat und mich trotzdem immer wieder zum lachen brachte. Ich danke Mark Zuckerberg für Facebook, meinem Lieblingsdoktor für die Hilfe. Mir wird klar, wie schambesetzt es ist, ohne Diagnose dazustehen.

Wunder geschehn

Jetzt bleibt zu hoffen, dass ich das Wunder noch ein bisschen behalten darf. Ich weiß, es liegt nicht in meiner Hand. Ich weiß, dass anderen Wunder verwehrt bleiben. Ich weiß, irgendwann wird eine Zeit des Sich-Arrangierens von mir gefordert werden. Für diese hellen Tage aber danke ich Gott und bitte ihn von Herzen, auch anderen kleine und große Wunder zu gewähren.