Raaben-Netz

Netzkrise

Jetzt ist es passiert: Ich habe eine ernsthafte Netzkrise. Ich brauche jemandem zum Reden. Aber keine meiner Blasen gibt das her, was ich jetzt brauche. Ich muss jetzt sofort jemandem von meinem kindischen, unreflektiertem Zorn erzählen, der auf dem Niveau eines Kleinkindes ist, das jetzt sofort ein Eis mit Amarenakirschen will. Ich brauch das jetzt, sonst platze ich. Sonst……!

Was niemand verstehen sollte….

Es ist ganz schrecklich: Ich verstehe Menschen, die für ihren Zorn ein Ventil brauchen. Der Bahnschubser von Frankfurt, die verkackte AfD, diese Hirnies, die unerträgliche Dinge tun, weil…… ja, was auch immer. Niemals darf man entschuldigen, niemals kann man es rechtfertigen! Wie entsetzlich ist es, für diese abscheulichen Taten irgendwelche Begründungen zu entwickeln! Aber ich bin so scheiße wütend. Ich könnte……

Nein, ich würde niemals.

Nein, ich könnte nicht. Ich würde niemals. Auch wenn ich in hundert Jahren niemandem zum Rede finde, würde ich niemals ein Kind vor den Zug stoßen. Und doch, immer wieder, nach nunmehr 55 Jahren, habe ich Angst vor dem eigenen Zorn. Ich brauche jemandem zum Reden. Jetzt! Sonst…. !!!???

Jedem seine Blase….

Meine Netzkrise: Da ist niemand. Meine Twitterkontakte erwarten von mir #ichliebemeineKirche. Ich habe mir da ein Image aufgebaut, das nicht zu bedienen würde sie irritieren. Meine Facebook-Kontakte erwarten von mir Loyalität und Fürsorge, ich darf sie nicht enttäuschen. Und selbst auf meinem privaten Facebook-Account ist es so, dass man gerne mit mir die Verzweiflung über das Fensterputzen oder die fehlende Zigarette teilt, aber diese Wut, die in mir ist, diese unmäßige Enttäuschung, dieser bittere, harte Zorn ohne wirklichen Grund, der würde jeden, auch den wohlmeinendsten irritieren.

Ich habe eine Netzkrise. Ich brauche einen Ort für meine Wut, damit diese Wut nicht zur Tat wird. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, der es so geht.. Kommt, ihr zornigen Geschwister, lasst uns einander beistehen.