Raaben-Netz

Wenn der Virus analog wird

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Der Corona-Virus wirbelt alles durcheinander, zeigt Bezauberndes, droht mit Schrecklichem. Da ist Trauriges, wie die Konfirmation meines Neffen, die nun nicht so sein kann, wie es hätte sein sollen. Da ist schräges, wie die Absage aller Gottesdienste und Termine. MeinTerminplan sieht aus wie eine alte Raufaser-Tapete: Da ist nichts mehr außer den Kleberesten alter Plakate.

Die digitale Arbeit trägt Früchte

Plötzlich ist digital das neue analog. Jeder, aber auch wirklich jeder, versucht sich an Digitalkonferenzen, schnappt sich einen Facebook-Account, versucht sich in Podcasts oder Videos. Letzte Woche noch klagte ich, dass ich so gerne mit meiner Social-Media-Arbeit auch unter den Kollegen Akzeptanz hätte, auf einmal kommen sie alle aus den Löchern. Und es ist gut, dass die digitalen Wege schon bereitet sind. Seit Jahren predigen wir das unermüdlich, endlich trägt die Arbeit Früchte.

Gemeinsam geht mehr

Und trotzdem: Da ist so viel Druck. Da kommen die einen und legen innerhalb weniger Stunden einen zauberhaften live-gestreamten Gottesdienst hin, andere entwickeln völlig neue Formate und bringen sie unters Volk. Und schon ist die Angst da: Kann ich da noch mithalten? Bin ich gut genug? Reicht das? Und ich werde zur Stimme des Rufers in der Wüste: Leute, übertrumpft euch nicht gegenseitig. Ihr macht das alle toll, jeder und jede auf seine und ihre Art. Und den Großen sage ich: Denkt bitte für die anderen mit, teilt eure Kompetenz und eure Kraft, hört jetzt auf, einen auf dicke Hose zu machen. Das können wir jetzt nicht brauchen.

Eierlaufen zu Ostern

Wie es weitergeht? Das weiß im Moment niemand. Wir denken an  Ostern. Ich denke an Ostern. Wie wollen wir Ostern feiern ohne Gottesdienst? Jeder für sich vor dem Fernseher oder dem Bildschirm? Schon jetzt vermisse ich Gemeinschaft. Vielleicht kriegen wir ja ein kirchenkreisweites Eierlaufen hin? Dabei müsste ein Osterei vor die Tür des nächsten gelegt werden, und der schreibt seinen Namen drauf und trägt es weiter. Das Ei, das am Ende des Tages den weitesten Weg geschafft hat, wird das Ei des Nordens. Ich glaub, ich hab den Virus 😉