Hamdy Khattab

Hamdy führt uns sicher zwölf Tage lang durch dieses fremde Land. Er hat die Reise minutiös geplant, will, dass wir möglichst viel lernen und erleben. Aber er ist viel mehr als ein Reiseführer: Er kümmert sich liebevoll um unsere Fußkranken und bringt denen Medizin, die an der „ägyptischen Krankheit“ leiden. Er bringt uns wie ein Schülerlotse sicher über die Straße, versorgt uns unterwegs mit Keksen und Bananen, hält den „Sack Flöhe“ zuverlässig zusammen und zählt bei jeder Abfahrt seine Schäfchen. Manchmal schnauzt er auch die Straßenhändler an, wenn sie uns allzu arg bedrängen. Er ist immer fröhlich, freundlich zu jedem. Nun ganz selten kann ich ihn zu einem Augenrollen verleiten, denn wir haben natürlich auch so Spezialisten in der Gruppe, die selbst einen gestandenen Ägypter an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen.

Ich habe Dinge erlebt, die mir allein nicht möglich gewesen wären. Besonders in Erinnerung bleibt mir das Essen im nubischen Restaurant auf einer kleinen Insel neben Elephantine. Begeistert hat mich auch die Überland-Tour von Aswan nach Luxor. Da wird gelebt und gearbeitet wie bei uns vor hundert Jahren. Mit Kairo hat mich der letzte Tag etwas versöhnt: Wir haben eine Moschee, eine Synagoge und eine koptische Kirche besucht. Hamdy hat die Vielfalt der Religionen im Blick und setzt sich, trotz seines eindeutigen Bekenntnisses zum Islam, für Verständigung und Toleranz ein. Das Museum für Ägyptische Zivilisation hat mich berührt: Ein dunkler Gang, ganz ähnlich, wie wir ihn im Tal der Könige und in der Knickpyramide erlebt haben, führt uns zu den Mumien der großen Pharaonen. Hier liegen sie aufgebahrt – Endlichkeit und Ewigkeit in Einem.

Manchmal war es zu viel: Zu viel Info, zu viele Besichtigungen. Manchmal wusste ich abends nicht mehr, wo ich morgens gewesen war. Meist bin ich kurz nach Acht wie tot ins Bett gefallen, um dann morgens um 5.30 Uhr durch die Hotelweckdienste wieder aufgeschreckt zu werden.

Manchmal war es zu hart. Die Armut hat mich ernüchtert, die ewige Betrügerei hat mich gekränkt. Ob es wirklich sein muss, in einem solchen Land Urlaub zu machen, hab ich mich gefragt. Hamdy erzählt auch von sich selbst, von der Revolution 2012, die ihn von einen Tag auf den anderen arbeits- und mittellos machte. Er erzählt von Korruption, ohne die in Ägypten nichts geht. Vom fehlenden Sozialsystem, das nur durch Familienbande aufgefangen werden kann.

Ob ich wiederkommen werde? Ich denke nicht. Ich bin satt vom Arabischen. An Hamdy Khattab aber werde ich immer gerne denken: Er ist für mich das freundliche Gesicht Ägyptens.

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